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Fidschi nach den Zyklonen – MISEREOR-Partnerorganisation hilft vor Ort

Der Südpazifik wird vermehrt von heftigen Zyklonen heimgesucht. Mitte Dezember 2020 traf es Fidschi besonders hart, als mit „Yasa“ einer der stärksten Zyklone über die Inselgruppe hinwegfegte, der jemals im Südpazifik beobachtet wurde. Windgeschwindigkeiten von bis zu 345 km pro Stunde lösten zahlreiche Erdrutsche und Überschwemmungen aus. Viele Dörfer wurden zerstört und tausende Menschen obdachlos. Vier Menschen starben; drei Männer und ein Säugling. Die MISEREOR-Partnerorganisation Citizens’ Constitutional Forum, CCF, leistete erste Unterstützung in Form von Nothilfe. Im Interview schildert Louchrisha Hussain, Leiterin von CCF, ihre Eindrücke aus dem Katastrophengebiet.

Fidschi Zyklone Yasa und Ana Überschwemmungen
Besonders betroffen von Zyklon „Yasa“ war der nördliche Teil der zweitgrößten Insel Fidschis, Vanua Levu. © Fiji National Disaster Management Office

Dramatische Folgeschäden

Besonders betroffen von Zyklon „Yasa“ war der nördliche Teil der zweitgrößten Insel Fidschis, Vanua Levu. Wegen zusammengebrochener Mobilfunknetze war die Kommunikation mit den Menschen in den betroffenen Landesteilen tagelang gestört. Die Zahl der Betroffenen in den von „Yasa“ heimgesuchten Gebieten bezifferte die Katastrophenschutzbehörde Fiji National Disaster Management Office (NDMO) auf 93.000 Menschen. Mindestens 23.000 Fidschianerinnen und Fidschianer mussten in Notunterkünften untergebracht werden. Viele Häuser wurden zerstört, Straßen brachen wegen Unterspülungen weg, landwirtschaftliche Flächen erodierten. Die Folgeschäden durch die Zyklone sollen in dreistelliger Millionenhöhe liegen (US-Dollar). Die Regierung hatte den Notstand erklärt und ihn 30 Tage lang aufrechterhalten.

Zyklon „Yasa“ und COVID-19

Obgleich die Regierung offiziell angibt, dass es derzeit keine Fälle von COVID-19 im Land gibt, dient ihr der Zyklon als Aufhänger, um die COVID-19-Beschränkungen, die bereits seit einem Jahr in Kraft sind, fortzuführen. Dies bedeutet vor allem eine generelle Ausgangssperre zwischen 23 Uhr abends und 4 Uhr morgens. Die Partnerorganisation Citizens’ Constitutional Forum (CCF) wurde von MISEREOR mit 11.000 Euro darin unterstützt, über 1.600 Menschen kurzfristig mit sauberem Trinkwasser, 228 Paketen mit unverderblichen Lebensmitteln (Reis, Zucker, Mehl, Hefe, Nudeln, Öl, Frühstückskekse, Salz, getrocknete Erbsen und Tee) und mit Hygieneartikeln (Seife, Babywindeln, Zahnbürsten und -pasta, Handtücher, Toilettenpapier etc.) zu versorgen. Dabei stimmte sich CCF eng mit den lokalen und nationalen Behörden sowie internationalen Organisationen ab, um die Hilfe so effektiv wie möglich zu gestalten.

Louchrisha Hussain, die Leiterin von CCF, die hier ihre Eindrücke schildert, war einige Tage mit ihren Kollegen und Kolleginnen in der Katastrophenregion unterwegs. Schwere Regenfälle und „Ana“, ein weiterer Zyklon, erschwerten die Reise in die Katastrophenregion. Zudem wurde die Rückkehr auf Fidschis Hauptinsel Viti Levu durch den eingeschränkten Flug- und Fährbetrieb zu einer schwierigen Angelegenheit. Inzwischen sind jedoch alle Helferinnen und Helfer von CCF wieder in Fidschis Hauptstadt Suva angekommen.

Yasa Zyklon Satellitenbild NASA
„Yasa“ gilt als einer der stärksten Zyklone, der jemals im Südpazifik beobachtet wurde. © NASA

Louchrisha, was waren die dringendsten Probleme der Menschen im Katastrophengebiet nach den beiden Zyklonen?

Louchrisha Hussain: Besonders problematisch war der mangelnde Zugang zu sauberem Wasser und Trinkwasser. Die Gesundheitsinfrastruktur und die Ressourcen unserer Gesundheitseinrichtungen hatten stark gelitten und es stellte sich die Frage, ob die Einrichtungen ausreichend Kapazitäten haben würden, um eine größere Zahl von Menschen zu versorgen, die z. B. unter Krankheiten litten, die durch verschmutztes Wasser übertragen werden. Da viele Farmen und die Vegetation aufgrund der Serie von Naturkatastrophen stark geschädigt wurden, war auch nicht sicher, ob es ausreichend Lebensmittel in den betroffenen Gebieten geben würde. Diese Sorge wurde aufgrund der großen Schäden an der Straßeninfrastruktur noch vergrößert.

Was tut die Regierung? Ist es genug?

Louchrisha Hussain: Was die Reaktion der Regierung auf die Situation nach dem Zyklon betrifft, so koordinieren sie die Katastrophenhilfe mit Unterstützung ausländischer Regierungen – in diesem Fall mit Australien, Neuseeland und den USA – sowie mit internationalen Nichtregierungsorganisationen durch das National Disaster Management Office, NDMO, den nationalen Katastrophenschutz. Es besteht die Möglichkeit, mit lokalen Nichtregierungsorganisationen, NGOs, zusammenzuarbeiten, allerdings ist die Präsenz internationaler nicht-staatlicher Organisationen sehr groß. Was die Hilfe lokaler Organisationen angeht, ist der Fiji Council of Social Services, FCOSS, die national anerkannte NGO, die die Bemühungen lokaler NGOs koordiniert. CCF arbeitete in diesem Fall allerdings direkt mit dem NDMO zusammen. Wir lieferten wichtige Informationen über das Projektgebiet, und diese Informationen wurden dann an den FCOSS weitergeleitet. Die Regierung hat begrenzte Ressourcen und Prioritätsbereiche, die als „rote Zonen“ bezeichnet werden und die zuerst Unterstützung erhalten. Wenn also zum Beispiel eine Gemeinde außerhalb der roten Zone Hilfe benötigt, wird diese erst dann geleistet, wenn die vorrangigen Gebiete versorgt sind. Für uns war diese Information wichtig, da wir versuchten, denjenigen außerhalb der staatlichen Prioritätszonen zu helfen, die von den beiden tropischen Wirbelstürmen „Yasa“ und „Ana“ gleichermaßen betroffen waren.

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Die Zahl der Betroffenen in den von „Yasa“ heimgesuchten Gebieten bezifferte die Katastrophenschutzbehörde auf 93.000 Menschen. © Fiji Red Cross

Sind die Schulen noch in Betrieb?

Louchrisha Hussain: Die Schulen im Norden Vanua Levus waren aufgrund der Zyklon-Schäden im Dezember 2020 wegen „Yasa“ für einige Wochen geschlossen und dann noch einmal wegen „Ana“ von Ende Januar bis Mitte Februar 2020.

Was ist mit anderer wichtiger Infrastruktur?

Louchrisha Hussain: Die Strom- und Wasserversorgung war nach den Zyklonen in vielen Gebieten über eine Woche lang beeinträchtigt. Uns wurde mitgeteilt, dass es Ende Januar eine Reihe von Orten im Norden gab, die gerade wieder ans Stromnetz angeschlossen waren, nachdem Zyklon „Yasa“ zugeschlagen hatte, nur um dann aufgrund von Zyklon „Ana“ wieder ohne Elektrizität auskommen zu müssen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser war ebenfalls ein Problem, da verunreinigtes Wasser nach dem Zyklon weit verbreitet ist. Die Straßeninfrastruktur war nach den Wirbelstürmen stark beschädigt. Einige Autobahnen waren für den Schwerlastverkehr gesperrt, andere für jegliche Form von Straßenverkehr. Leider gab es eine Reihe von Haupt- und Schnellstraßen, die stark beschädigt waren. Dies erschwerte auch die Hilfslieferungen.

Louchrisha Hussain CCF Fidschi
Louchrisha Hussain leitet die Partnerorganisation Citizens’ Constitutional Forum, CCF, die nach den Zyklonen erste Unterstützung in Form von Nothilfe leistete. © Louchrisha Hussain

Louchrisha, wie haben Sie Ihre Reise nach und von Vanua Levu erlebt?

Louchrisha Hussain: Unsere Reise nach Vanua Levu war ursprünglich für eine Woche geplant, vom 24. Januar bis zum 31. Februar 2021. Ein Team von fünf Mitarbeitenden machte sich auf den Weg dorthin, um die von MISEREOR unterstützte Nothilfe durchzuführen. Im Vorfeld musste unsere Reise noch offiziell bei der Katastrophenkoordinierungsstelle, dem Fiji National Disaster Management Office (NDMO), registriert und mit einem Zertifizierungsschreiben genehmigt werden. Das NDMO koordinierte die Hilfsbemühungen im Norden, da es eine große Anzahl lokaler und internationaler Organisationen gab, die nach dem Zyklon Hilfs- und andere Dienstleistungen bereitstellten. Wir mussten Formulare ausfüllen, in denen wir angaben, welche spezifische Unterstützung wir leisteten, zudem die Mengen der Hilfsgüter sowie die Zielgebiete. Das CCF-Team hatte geplant, drei Zusammenschlüsse mehrerer Dörfer, die in Fidschi Tikinas genannt werden, in der Provinz Macuata auf der Insel Vanua Levu zu unterstützen und Lebensmittelrationen zu verteilen. Einen Tag vor unserem Aufbruch in die Zielgemeinden trafen wir uns mit verschiedenen Verantwortlichen der Provinz Macuata. Das war wichtig, da die Provinzbeamten in der Position sind, Entscheidungen zu treffen und uns zu unterstützen. Wir konnten mit ihnen besprechen, welche Unterstützung wir brauchen, um eine effektive Umsetzung unserer Hilfe für die Menschen in den Zielgebieten zu gewährleisten. Sie versprachen, uns ein bis zwei Lastwagen für den Transport der Rationspakete in die Gebiete bereitzustellen. Die Hilfsgüter wollten wir innerhalb von drei Tagen in allen drei Tikinas übergeben.

Nachdem einige Rationspakete erfolgreich ausgeliefert worden waren, erhielten wir – als wir gerade im Lagerhaus waren und weitere Hilfsgüter verpackten – einen Anruf von der NDMO. Uns wurde mitgeteilt, dass die Regierung aufgrund der schlechten Wetterentwicklung alle Hilfslieferungen in den Norden vorerst aussetzt – auf unbestimmte Zeit. Mit dieser Direktive wurde auch der Boots- und Flugverkehr eingestellt, sodass wir die Hauptstadt der Provinz Macuata, Labasa, nicht verlassen konnten und auf besseres Wetter hoffen mussten. Unsere humanitären Pläne sahen vor, in den Zielgebieten nach dem Zyklon Yasa zu helfen; während wir jedoch dort waren, traf am 31. Januar 2021 mit „Ana“ ein weiterer Zyklon auf den Norden Fidschis.

Kia Island Provinz Macuata Fidschi Zyklon
Kia Island in der Provinz Macuata war besonders vom Zyklon betroffen. © Keira Rose

Unser fünfköpfiges Team konnte sich in einer Ferienunterkunft etwas außerhalb Labasas einquartieren. Wir hatten uns für diese günstige Unterkunft entschieden, um das Budget zu schonen und mehr für die humanitäre Unterstützung der Gemeinden selbst ausgeben zu können. Unser Quartier befand sich an einem sicheren Ort, der nicht von den steigenden Fluten betroffen war. Wären wir in Hotels im Zentrum von Labasa untergekommen, hätten wir fließend Wasser und Strom gehabt. Allerdings wären wir dann auch in höher gelegene Gebiete evakuiert worden. So war es Mitarbeitenden anderer lokaler Hilfsorganisationen ergangen. Die übrigen Hilfspakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln konnten wir schließlich in unseren Zielgemeinden abgeben, bevor wir nach Suva zurückreisten.

Das Interview mit Louchrisha Hussain führte Corinna Broeckmann, Regionalreferentin für Ozeanien bei MISEREOR.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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