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Kampf den Heuschrecken

Im Windschatten der Corona-Pandemie ereignet sich in Afrika eine weitere Krise. Betroffen sind Bauern und Tierhalter.

Mädchen versucht Heuschrecken zu vertreiben
Ein Mädchen versucht, die Heuschrecken zu vertreiben. Ein schwieriges Unterfangen: Die Schwärme bestehen zum Teil aus Hunderten Millionen an Tieren. © picture alliance

Im Windschatten der Corona-Pandemie ereignet sich seit mehr als einem Jahr in Teilen Ostafrikas eine weitere schwere Krise. Länder wie Kenia, Äthiopien oder Somalia sind von einer Heuschreckenplage mit gravierenden Folgen betroffen. Die Schwärme der Wüstenheuschrecken zählen jeweils hunderte Millionen Tiere, die rasch ganze Äcker und Weiden kahlfressen. Bauern und mobile Tierhalter sind in ihren Existenzen gefährdet, es drohen Hungerkrisen.

Bereits im Sommer 2020 hatten allein in Kenia etwa 1,8 Millionen Menschen monatelang nicht genügend zu essen. Neben der Heuschrecken-Invasion leidet die Bevölkerung unter häufigen Dürrephasen, aber auch schweren Überschwemmungen. Durch den Klimawandel steigt die Zahl extremer Wetterlagen in der Region.

Die Heuschreckenplage hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Zum einen die – auch klimawandelbedingt – sehr feuchten Wetterbedingungen über der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika seit 2018, zum anderen die Gewalt in Jemen und Somalia. Letztere verhinderte wirksame Eindämmungsmaßnahmen gegen die Heuschrecken. Seit Ende 2019 konnten sich die Heuschreckenschwärme nicht nur über weitere Länder wie Uganda, Südsudan, Eritrea und Dschibuti ausbreiten; von der arabischen Halbinsel aus gelangten sie auch bis nach Pakistan und Indien.

Vielfach bekämpfen die Regierungen in den betroffenen Ländern die Insekten mit starken Giften. Generell stehen viele Bauern und mobile Tierhalter solchen Insektizideinsätzen kritisch gegenüber. Sie fürchten negative Folgen für die Menschen. Auch die Hirten sorgen sich um ihre Herden, wenn Weidezonen großflächig mit den Insektiziden behandelt wurden. Als besonders gefährdet gelten Bienenvölker.

Damit die Menschen selbst aktiv werden können, hat MISEREOR 2020 in Äthiopien ein Projekt finanziert, das die ländliche Bevölkerung anleitet, mit mechanischen Maßnahmen gegen die Heuschrecken vorzugehen. Sie wird darin ausgebildet, Gräben auszuheben und noch flugunfähige Jungtiere in diese Gräben zu treiben und zu töten. Es ist von entscheidender Bedeutung, stärker auf solch ökologischen Maßnahmen zu setzen. Außerdem wird Schutzausrüstung verteilt, wenn die lokale Bevölkerung bei Sprühaktionen der nationalen Behörden eingesetzt wird.

Über die Autorin: Sabine Dorlöchter-Sulser ist Referentin für Ländliche Entwicklung in der Afrika-Abteilung bei MISEREOR.



Dieser Beitrag erschien zuerst als Außenansicht auf www.mittelbayerische.de

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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