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Der Wert des Wassers

Bei MISEREOR werden wir oft gefragt, welchen Wert Wasser besitzt. Die Antworten können so vielseitig sein, wie die Antwortenden in ihren jeweiligen Kontexten: Wasser ist Teil der Schöpfung und Ursprung des Lebens. Wasser ist Quelle des Lebens. Wasser ist Nahrungsmittel. Wasser ist eine Ressource, die wir schützen oder nutzen können. Wasser ist ein Ausflugsziel. Wasser ist ein Gemeingut. Wasser ist ein Menschenrecht. Wasser ist ein Handelsgut. Wasser wird an der Börse gehandelt. Wasser ist Ursprung von Konflikten und Gewalt. Wasser bedeckt 71 Prozent der Erde. Kein Wasser bedeutet kein Essen, bedeutet Flucht. Wasser versteckt sich im Einkaufskorb. Wasser heilt. Wasser ist ungleich verteilt. Wasser ist politisch.

Frauen und Mädchen schleppen morgens das Wasser vom Brunnen zum Haus. Das Dorf Bazagar in der Sahelzone nahe der nigerianischen Grenze wurde mehrfach von schweren Dürreperioden und Hungersnöten heimgesucht. © Schwarzbach | MISEREOR

Wer mit Wasser arbeitet, stellt fest, dass Wasser im globalen Kontext die Summe dieser Antworten ist. Gerade vor dem Hintergrund der Klimakrise, die einen besonderen Druck auf Wasservorkommen bedeutet, wird die zentrale Relevanz des Wassers für das (Über-)Leben der Schöpfung besonders spürbar. Gleichzeitig wollen sich verschiedenste Akteure den Zugang zu dieser wichtigen Ressource sichern, weil sie wirtschaftlich interessant ist.

Bei MISEREOR vertreten wir hierzu eine klare Position, die sich in unserem Glauben begründet und sich in unserer Arbeit mit den Menschen im Globalen Süden bestätigt. Wasser ist für die Schöpfung und das menschliche Leben weit mehr als nur eine Ressource. Im Rahmen der Projektarbeit versuchen wir Menschen auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten, Zugang zu Wasserversorgung auch dort zu schaffen, wo Wasser knapp ist und wo Konflikte und Unsicherheiten durch Wassermangel entstehen. Der Zugang zu Wasser ermöglicht Transformationsprozesse auf vielen Ebenen. Der Schutz der Natur ist eine zentrale Aufgabe, um Wasservorkommen und Ressourcen zu schützen. Der gemeinsame Aufbau von Wasserversorgung schafft Beziehungen unter den Nutzern. Diese Beziehungen können den Ausbruch von Gewalt verhindern und ein gemeinschaftliches Zusammenleben fördern. Die Verfügbarkeit von Wasser schafft Sicherheit und öffnet Entscheidungsoptionen.

Menschen stehen an einem Brunnen
Menschen stehen an einem Brunnen in Äthiopien. Foto: Jutta Himmelbach

Lange Wege, um Wasser zu holen, fallen weg und entlasten besonders Frauen und Mädchen von einer kraft- und zeitzehrenden Aufgabe. Zeit und Kraft kommen wiederum anderen Aufgaben und der Familie zugute. Sicheres Wasser verbessert die Gesundheit von Menschen. Der Zugang zu Wasser sichert landwirtschaftliche Produktion oder Viehhaltung.

Mit dem Schutz und einer gemeinwohlorientierten nachhaltigen Nutzung der Wasservorkommen wollen wir gesellschaftliches Leben ermöglichen und wandeln – hin zu einer zukunftsfähigen Transformation der Beziehung Mensch, Wasser, Schöpfung. Wasserprojekte besitzen das Potential, ökologische und soziale Veränderungen anzustoßen. Der Wert des Wassers bemisst sich nicht an seinem Marktwert, sondern an seinem Potenzial für gesellschaftliches Leben.

Geschrieben von:

Pirmin Spiegel ist Hauptgeschäftsführer bei MISEREOR. Bevor er 2012 zu MISEREOR kam, war er 15 Jahre in Brasilien als Pfarrer tätig und bildete in verschiedenen Ländern Lateinamerikas Laienmissionare aus.

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