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Erneuerbare Energien – Afrika kann Vorreiter werden!

Afrika kann zum weltweiten Vorreiter erneuerbarer Energien werden. Bisher ist Biomasse in vielen Ländern südlich der Sahara der wichtigste Energieträger. Die „Erneuerbaren“ bieten die große Chance, viele Menschen dezentral und kostengünstig mit Energie zu versorgen – auch in dünn besiedelten Gebieten. Es sind vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen, die mit bedarfsorientierten und pragmatischen Lösungen zur Energieversorgung die Entwicklung voranbringen. Dies machte auch ein gemeinsamer Workshop mit MISEREOR-Partnerorganisationen aus dem Senegal und Mali im April 2021 deutlich. Das Treffen ist ein großer Schritt gewesen auf dem Weg zu mehr Austausch und Zusammenarbeit.

Solarenergie Lesotho Bergdorf
Erneuerbare Energien bieten die große Chance, viele Menschen kostengünstig und dezentral mit Energie zu versorgen – auch diejenigen, die in dünn besiedelten Gebieten leben. © Herbert Bieser / Pixabay

Wenn Energiearmut den Alltag bestimmt

Viele Menschen leiden unter Energiearmut. Gerade im globalen Süden und vor allem in Ländern südlich der Sahara. Insgesamt haben rund 600 Millionen Menschen keinen oder keinen verlässlichen Zugang zu Elektrizität. In der Demokratischen Republik Kongo etwa hat nur ein Prozent der ländlichen Bevölkerung einen Stromanschluss. Kein Zugang zu Strom bedeutet: wenn die Sonne untergegangen ist, gibt es Licht nur von Kerzen, Öl- oder Solarlampen. Krankenstationen haben abends und nachts geschlossen und können keine Medikamente kühl halten. Straßenbeleuchtung gibt es nicht. Maschinen für Handwerks- oder Produktionsbetriebe sind auf Dieselgeneratoren angewiesen. Meist sind sowohl diese Generatoren als auch der Treibstoff sehr teuer. Manchmal bedeutet es auch, dass über das Stromnetz kein verlässlicher Strom kommt und Stromausfälle manchmal tagelang dauern.

Zivilgesellschaft sorgt für Strom

Die Nachfrage nach Strom in Subsahara-Afrika wird sich nach Schätzungen der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien, IRENA, bis zum Jahr 2030 verdreifachen. Um das zu schaffen, muss auf dem afrikanischen Kontinent im Vergleich bis 2040 doppelt so viel Strom erzeugt werden wie heute. Dafür sind Investitionen in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar pro Jahr notwendig. Gerade im Bereich der dezentralen erneuerbaren Energie spielen zivilgesellschaftliche Organisationen eine wichtige Rolle. An vielen Orten der Erde setzen Nichtregierungsorganisationen Energieprojekte um, wo wirklich Energiearmut herrscht und „marktfähige“ Lösungen fehlen. Sie entwickeln Anlagen, die auf die Bedarfe der Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten sind, die vor Ort installiert und gewartet werden können und engagieren sich politisch für bessere Rahmenbedingungen für erneuerbare Energie. Oft sind es sehr kleine Projekte, die wenig mit staatlichen bzw. internationalen Strategien verknüpft sind. Die Verbreitung von Informationen über gute Erfahrungen und Projektpraxis ist nicht so einfach – vor allem über Sprach- und Ländergrenzen hinweg.

Solarprojekte DR Kongo
Der Beitrag kleiner, dezentraler Lösungen muss besser noch als bisher in staatliche und internationale Förderprogramme integriert werden; oftmals sind es zivilgesellschaftliche Organisationen, die diese Beiträge umsetzen. © Soteras / MISEREOR

Mehr internationale Zusammenarbeit nötig

Eine Gruppe von afrikanischen und internationalen NGO hat sich zusammengeschlossen, um sich gemeinsam dafür zu engagieren, dass die erneuerbaren Energien in afrikanischen Ländern endlich durchstarten können. Sie tauschen sich regelmäßig aus und machen Lobbyarbeit sowohl bei der Afrikanischen und der Europäischen Union als auch bei internationalen Initiativen für Erneuerbare Energie und bei den Klimakonferenzen, um die Perspektive und Erfahrungen von Zivilgesellschaft einzubringen. MISEREOR unterstützt die Partnerorganisationen CESAO-AI, Centre d’EtudesEconomiques et Sociales de l’Afrique de l’Ouest – ACCUEIL, und Powershift Africa, damit westafrikanische NGO besser in das internationale Netzwerk integriert werden. Bisher läuft die Vernetzung leider oft nur innerhalb der durch die Kolonialzeit geprägten Aufteilung in frankophone, anglophone und arabischsprachige Regionen.

An vielen Orten der Erde setzen Nichtregierungsorganisationen Energieprojekte um, wo wirklich Energiearmut herrscht und „marktfähige“ Lösungen fehlen.

Kathrin Schroeder

In dem Projekt Participation de la Société Civile des Pays francophone de l’Afrique de l’Ouest au Pilotage de l’Initiative pour les énergies renouvelables en Afrique organisieren sie einen Austausch unter zivilgesellschaftlichen Organisationen, die für erneuerbare Energie aktiv sind. Sie informieren über die internationalen Programme, die den Ausbau erneuerbarer Energie, den Zugang zu Strom und saubere Kochenergie in afrikanischen Ländern verbessern sollen und entwickeln gemeinsame Ansätze, wie die NGO die Aktivitäten ihrer Regierungen in diesem Feld beobachten können.

Erneuerbare Energien: Programme in Westafrika

Vor einigen Wochen hat der erste gemeinsame Workshop in dem Projekt für Organisationen aus Senegal und Mali stattgefunden. Eigentlich sollten alle Teilnehmenden – auch die aus Kenia, dem Senegal und Deutschland – sich in Dakar treffen, aber das war wegen der Pandemie nicht möglich. So trafen sich die Teilnehmenden aus Mali stattdessen in Bamako. Alle anderen nahmen online per Zoom an dem Treffen teil. Mohamed Adow, der Leiter von Powershift Africa, informierte über internationale Förderprogramme und auch die Einflussmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft. Ein Vertreter des Zentrums für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECREEE stellte Programme und Unterstützungsmöglichkeiten für Länder in Westafrika vor. Jeweils eine Organisation aus Mali und Senegal berichtete aus ihrer Praxis. Klar, das war nicht dasselbe wie ein Workshop mit physischer Begegnung. Aber ein erster, wichtiger Schritt für Austausch und Zusammenarbeit wurde getan.

Workshop Erneuerbare Energien Bamako Mali
Auftakt-Workshop in Bamako, Mali; Teilnehmende aus Mali waren angereist, Vertreterinnen und Vertreter aus Kenia, dem Senegal und Deutschland nahmen online teil. © CESAO-AI

Afrika könnte Weltmeister der erneuerbaren Energien werden!

Die Energiedefizite sind in einigen afrikanischen Ländern noch immer riesig. Gerade hier bieten erneuerbare Energien die große Chance, viele Menschen kostengünstig und dezentral mit Energie zu versorgen – auch diejenigen, die in dünn besiedelten Gebieten leben. Die in vielen afrikanischen Ländern am Häufigsten genutzte erneuerbare Energiequelle ist Biomasse. Holz, Holzkohle, Dung und Abfälle aus der Landwirtschaft werden zum Kochen und Heizen eingesetzt. Biomasse ist erneuerbar; klar, weil sie ja nachwächst. Wenn sie aber stärker beansprucht wird als sich erneuern kann, dann führt sie zu Entwaldung und Versteppung und ist nicht mehr nachhaltig. Außerdem verursachen die offenen Feuer vor allem bei Frauen und Kindern Atemwegserkrankungen. Das Potential der Erneuerbaren ist in Afrika insgesamt enorm. Eine aktuelle IRENA-Studie weist darauf hin, dass das Potential zur Erzeugung erneuerbaren Stroms theoretisch tausendmal größer ist als die in Szenarien berechnete Nachfrage bis 2040. Es gibt also wirklich keinen Grund, neue Kohle- oder Gaskraftwerke zu bauen!

Kleine und dezentrale Lösungen gefragt

Für die NGO im panafrikanischen Netzwerk ist klar: der Beitrag kleiner, dezentraler Lösungen muss noch besser als bisher in staatliche und internationale Förderprogramme integriert werden. Oftmals sind es zivilgesellschaftliche Organisationen, die diese Beiträge umsetzen. Diese stehen auch im Kontrast zu großen Energieprojekten. Sie sind häufig von Korruption betroffen und dienen nur allzu selten der nachhaltigen Bekämpfung von Energiearmut. Für die Zivilgesellschaft ist aber auch klar: die Förderprogramme müssen vor Ort in Afrika entwickelt und gesteuert werden. Bei den Energieprojekten müssen dabei klare Standards für soziale Rechte und Umweltschutz gelten.

Große Energieprojekte sie sind häufig von Korruption betroffen und dienen nur allzu selten der nachhaltigen Bekämpfung von Energiearmut.

Kathrin Schroeder

In Zukunft muss sich der Fokus auf transformative Programme richten, die politische Strategien fördern. Und weniger auf Einzelprojekte in der bilateralen Zusammenarbeit. Zudem ist ein Bruch mit neokolonialen Mustern in der Kooperation zwischen Regierungen afrikanischer Länder und ihrer internationalen Partner erforderlich. Außerdem müssen Zivilgesellschaft und Regierungen neue Wege der Zusammenarbeit finden, die die etablierten Rollen von Lobbyarbeit und Überwachung auflösen. Besonders für den „Zugang zu Elektrizität“ können viele Regierungen von den erfolgreichen Energieprojekten der afrikanischen Zivilgesellschaft lernen.

Geschrieben von:

Kathrin Schroeder ist MISEREOR-Referentin mit dem Schwerpunktthema Energie.

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